Christian Dior: Eine Marke -Ein Leben

Als Christian Dior am 21.1.1905 im kleinen Badeort Granville in der Normandie geboren wird, ahnt wohl niemand, zu welchen Wegen der Spross einer Großindustriellenfamilie, dessen berufliche Laufbahn durch familiäre Beziehungen vorgezeichnet schien, finden wird.
Quelle: UserKurefile (W), Urheber: Kure, Genehmigung: GFDL
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Die Vermutung liegt nahe, das sich die Wurzeln seines kreativen Schaffens an dem eleganten, gepflegten Wohnort bildeten. Durch das Klima begünstigt war eine vielfältige Blumenpracht typisch für die Gegend, was ihn später in der Wahl seiner Kreativpausen beeinflussen sollte. Die Liebe für gestalterische Komposition hat er von der Mutter. Der Vater verdiente das Geld mit Düngemitteln. Mit Beginn der Schulzeit zog die Familie nach Paris, wo er die Ecole Gerson und das altehrwürdige Lyceum Janson-de-Sailly besuchte.

Nach dem Abitur war sein Wunschfach Architektur, zeitweise auch Musik, doch auf Drängen der Familie absolvierte er an der Ecole de Sciences Politiques ein Studium, der ihn auf eine Diplomatenlaufbahn vorbereitete. Während dieser Zeit befreundete er sich in Paris mit Malern, Musikern und weiteren Intellektuellen. Diese Einflüsse inspirierten ihn wohl 1928 zur Eröffnung einer Kunstgalerie, aus der sich ab 1930 ein Kunsthandel entwickelte. Man sagte ihm große Kenntnisse in alter und neuer Malerei nach. Daneben frönte er seiner Begabung: zeichnen und malen. In Folge der Wirtschaftskrise von 1929, wo seine Familie, Gönner und Geschäftspartner ihr Vermögen verloren, musste er seine Galerie schließen. Noch im gleichen Jahr, 1931 begann er, Hutmode zu entwerfen. Es folgten Modeskizzen, die er auf Rat eines Freundes verschiedenen Modezeitschriften zum Verkauf anbot. So veröffentlichte sie die Zeitschrift „Le Figaro Illustré“ . Hinzu kamen Anstellungen bei den damaligen bekannten Modeschöpfern, wie den Schweizer Robert Piquet. Diors erste eigene Modelle entstanden 1937. Anstellungen in verschiedenen anderen Modehäusern folgten von 1938 an. Vor der deutsche Besatzung floh er 1940 nach Südfrankreich, wo er sich und seine Familie mit einer Obstplantage durchbrachte.

Zurück in Paris eröffneter er im Dezember 1946 sein erstes Modehaus in der Avenue Montaigne. Noch heute befindet sich dort der Firmensitz des von ihm begründeten Imperiums. Im Februar 1947 fand seine erste spektakuläre Modenschau statt. Die Haute Couture-Kollektionen mit sanften Schultern, schmalen Taillen und viel Stoff für Röcke und Kleider schien nach den Entbehrungen der Kriegsjahre den Geschmack des Publikums getroffen zu haben. Der Begriff „New Look“ setzte sich durch und galt als revolutionär. Aber auch Kleider in weicher Linienführung, der „Ligne Coroll“ oder Glockenblumenlinie genannt, wurden schnell populär. Er führte das Korsett wieder ein und setzte auf edle Stoffe wie Satin, Taft und Samt. Glamour statt Bescheidenheit. In der der unmittelbaren und notvollen Nachkriegszeit durchaus gewagt. Den Vorwurf der Stoffverschwendung weist er mit dem Argument zurück, er wolle Frauen „schmücken und verschönern“. Sein Motto lautete „Zurück zur Weiblichkeit“. Und das in Anlehnung von Stilelementen der Belle Epoque, der Umgebung, die ihn in Kindertagen im Elternhaus geprägt hatte. Dabei war er als Persönlichkeit durchaus mit Tugenden wie Bescheidenheit und Zurückhaltung ausgestattet und betrieb sein Modegeschäft mit großer Ernsthaftigkeit. Ganz unbeeindruckt bei Modellentwürfen ließ ihn die tiefe Textilkrise in Frankreich und die Modeeinflüsse der Siegermacht Amerika, deren Ausdruck Lässigkeit war.

Das er Kleidersilhouetten regelrecht konstruierte, die A-Linie, die H-Linie und die Y-Linie -ganz nach der Art eines Architekten- ist ein Déjà-vu in seiner Biographie.Die Trends die er setzte, der damit verbundene Erfolg, war auch deshalb so bedeutend, weil er den Modestandort Paris gegenüber dem aufstrebenden New York festigte. Sein Geschäftssinn half ihm dabei. Er führte das System der Lizenzvereinbarungen ein und dehnte es auch auf Düfte, Schuhmode, Strümpfe und Schmuck aus. Den dieses Beiwerk gehörte nun als schöner Rahmen zu seinen Kollektionen. In nur zehn Jahren erschuf er 22 Haute Couture-Kollektionen und damit ein Unternehmen, das in über 20 Länder exportierte. Das Mode-Imperium Dior war etabliert, die Marke steht bis heute für Exklusivität und Luxus. 1957 fand sein Schaffen ein jähes Ende. An den Folgen eines Herzanfalls starb er im italienischen Kurort Montecatini.

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