Gianfranco Ferré Biografie
Ferré studierte zunächst Architektur in Mailand und schloss das Studium 1969 ab. Trotz eines hervorragenden Abschlusses fand er keine Stelle und ging 1971 als Wirtschaftsanalytiker ins indische Bombay. Nach seiner Rückkehr in die Heimat beschäftigte er sich zunächst mit dem Entwerfen von Möbeln, später dann von Mode. Unter seinem eigenen Namen präsentierte er im Jahr 1978 seine erste Damenkollektion, die vor allem von seinen Reisen und seiner Faszination für den Orient geprägt war.
Vier Jahre später ließ Ferré eine Kollektion für Herrenmode folgen und avancierte gleichzeitig zu einem der bekanntesten und erfolgreichsten italienischen Modedesigner. Mit mehr als 400 Boutiquen erwirtschaftete das Unternehmen einen Jahresgewinn von bis zu 125 Millionen US-dollar.
Zwischen 1989 und 1997 arbeitete er für das französische Luxus-Unternehmen LVMH als künstlerischer Direktor, bevor er sich wieder seinem eigenen Label widmete. In diese Zeit fielen auch Korruptionsermittlungen gegen ihn. Gemeinsam mit dem Modedesigner Giorgio Armani musste sich Ferré wegen in den Jahren zuvor geleisteter Schmiergeldzahlungen an Steuerfahnder vor Gericht verantworten.
Neben Mode für Damen und Herren brachte er nach seiner Rückkehr ins eigene Unternehmen auch eine Kollektion für Kinder auf den Markt, zudem kreierte er zahlreiche Accessoires, Parfums, Uhren und sogar Thermoskannen. Berühmtheit erlangte er unter anderem für seine zahlreichen Variationen von scheinbar einfachen weißen Blusen. Im Jahr 2002 kaufte der italienische Modekonzern Gruppo Tonino Perna das Unternehmen von Ferré für mehr als 180 Millionen Euro. Er selbst blieb allerdings als Chefdesigner verantwortlich für die neuen Kollektionen.
Zusammen mit Gianni Versace und Giorgio Armani sorgte Ferré dafür, dass sich Mailand zu einer der wichtigsten Metropolen im Bereich Mode entwickeln konnte. Er selbst wurde wegen seines Studiums oft als "Architekt der Mode" oder, in Anspielung an den amerikanischen Architekten, als "Frank Lloyd Wright der italienischen Couture" bezeichnet. 2004 war er für die Modenschau des Wiener Life Balls, der größten europäischen Benefiz-Veranstaltung für Aids-Opfer und HIV-Infizierte, verantwortlich.
Trotz ärztlicher Diagnosen wollte Ferré, der an Diabetes litt, seine Ernährung nicht ändern. Nach zwei Schlaganfällen musst er am 15. Juni 2007 zum wiederholten Mal ins Krankenhaus eingeliefert werden, wo er zwei Tage später an den Folgen einer Hirnblutung starb. Kurze Zeit später wurde Frühjahr- und Sommerkollektion 2008 präsentiert, für die Ferré selbst verantwortlich gewesen war. Als letzte Ehre blieb der Laufsteg am Ende der Schau, wenn sich die Designer selbst zeigen, leer, während die Zuschauer im Stehen applaudierten.
disabledblock
disabledblock

