Jaguar XJS - der verkannte Klassiker

Mit dem Jaguar XJS - ganz korrekt: Jaguar XJ-S - tun sich Fachleute wie bewundernde Laien gleich schwer. Warum eigentlich? Der XJ-S gilt heute als "hässlicher Jaguar", als ein etwas eckiges Etwas nach all den wunderschönen und runden MK-Limousinen. Trotzdem ist ein Jaguar XJ-S (ab dem Baujahr 1980) immer als echter Jaguar zu erkennen.
Jaguar XJS V12
aguar XJ-S V12 Cabrio
Jaguar XJS Coupe 1991
1988 Jaguar XJS

1980 war ganz sicher nicht ein Jahr der schönen Autos. Alle Hersteller haben damals schwer gesündigt, das, was Jaguar gewagt hat, ist relativ harmlos. Allright, wir reden nicht um den heißen Brei - respektive das lauwarme Porridge - herum: Es gibt schönere Jaguar-Typen als den Jaguar XJ-S. Dafür hatte dieses ungeliebte Modell durchaus andere und sehr handfeste Vorteile. Dieser Jaguar war ein Auto, das man heute als Technologieträger bezeichnen würde. Hier wurde Neues gewagt und gewonnen. Erstmals in der Geschichte des Automobils wagte es ein Hersteller - Jaguar, wer sonst? - einen Zwölfzylindermotor als "sparsam" zu bezeichnen. Nicht einmal von "relativ" war die Rede, genaue Angaben über den Kraftstoffverbrauch blieb man allerdings schuldig. Gestört hat es offenbar niemanden, nach den für Jaguar katastrophalen Absatzzahlen zwischen 1975 und 1980 ging es tatsächlich wieder bergauf. Die Zeiten hatten sich geändert. Power war gefragt! Und davon lieferte Jaguar reichlich. Die Rennversionen des Jaguar XJ-S-Coupès brachten bis zu 500 PS.

Die Serienversionen dieses Jaguar-Coupés leisteten sich natürlich die üblichen Schrulligkeiten. So gab es etwa einen recht sonderbaren Targa namens Jaguar XJ-SC, dessen Dachteile umständlich in maßgeschneiderten Etuis (ähnlich denen, in denen Schüler ihre Schreibgeräte verstauen) eingefädelt werden mussten. Dann stand dem gepflegten Open-Air-Feeling auch nichts mehr im Wege.

Zugegeben, der Jaguar XJ-S war wirklich nicht der schönste Jaguar. Der schönste Jag war eindeutig die Limousine Mk II. Da kommt nichts und nirgendwer dran. Trotzdem ist der XJ-S ein wunderschönes Auto, verglichen mit einem Mercedes, BMW oder Audi.

Im August 1990 bekam der damals schon betagte Jaguar XJ-S eine Spritze verpasst: Der Hubraum des Zwölfzylinders wurde auf 6 Liter vergrößert. Noch souveränere Fahrleistungen waren die Folge. Braucht das irgendjemand? Nein, nicht wirklich, aber es hat auch niemand etwas dagegen. Weil Jaguar als Hersteller eigentlich immer sehr ehrlich war (gelegentlich bis zur Schmerzgrenze), wollen wir es hier an dieser Stelle auch sein: Der Der Jaguar XJ-S wurde sehr schnell Objekt von Tunern, auch von Hardcore-Tunern. Warum? Soll etwa, wer nicht der Schönste ist, wenigstens der Schnellste sein?

Im Jahr 1993 wurde der alte Jaguar XJ-S vermittels Doppelturbolader auf 540 PS hochgepusht. Warum? Die ersten Jaguar XJ-S leisteten bescheidene 287 PS, als Zwölfzylinder wohlgemerkt. Damit waren vergleichsweise gemütliche 235 km/h drin und eine Beschleunigung von 0 auf 100 Stundenkilometer in damals Atem beraubenden 7 Sekunden. Übrigens: Ein Jaguar-Coupé vom Typ XJ-S war 4 Meter 84 Zentimeter lang und bot nicht einmal annähernd den Platz eines heutigen VW Polo. Das muss man sich erst einmal leisten können! Geleistet hat sich Jaguar im Lauf seiner wechselvollen Geschichte noch sehr viel mehr. Aber, bitte, seien wir nachsichtig.

Einem Unternehmen, das immer nur wunderschöne Autos hergestellt hat, mögen wir es verzeihen, dass es auch einmal ein Modell produziert hat, das nicht ganz so schön war wie die anderen: der Jaguar XJ-S. Oder haben wir uns geirrt? Suchen Sie doch einfach nach einem späten 1995-er Convertible (damaliger Neupreis 163.100 DM). Suchen Sie ihn, finden Sie ihn, kaufen Sie ihn und stellen Sie fest: Er ist überhaupt nicht hässlich. Er ist ein Jaguar. Und ein Jaguar kann niemals hässlich sein.

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