Die Mercedes-Benz Pagode Baureihe W113

SL – mit zwei Buchstaben lässt Mercedes-Benz seit Mitte der 50er Jahre regelmäßig die Herzen der Automobil-Fans höher schlagen. SL steht für „Sport Leicht“, was nicht annähernd die Faszination ausdrückt, welche die zumeist offenen Wagen ausüben. Unter den verschiedenen Modellreihen des rasanten Zweisitzers haben sich einige zu automobilen Klassikern entwickelt. Zu diesen muss unbedingt die Baureihe W113 gezählt werden – im Volksmund besser bekannt als Pagode.
Mercedes Pagode
Mercedes-Benz Pagode
Mercedes 280 SL

Mit dem 190 SL und seinem großen Bruder, dem 300 SL, hatte sich Mercedes-Benz in den 50er Jahren erstmals in das Segment rassiger Serien-Sportwagen vorgewagt und gleich einen beachtlichen Erfolg hingelegt, auch wenn beide Modelle für den Normalbürger der Wirtschaftswunderjahre unbezahlbar waren. 1963 stellten die Sindelfinger Automobilbauer dann den direkten Nachfolger des  Mercedes 190 SL, die Baureihe W113, auf dem Genfer Salon vor. Gleichzeitig hatte dieser Wagen auch das Erbe des legendären Mercedes 300 SL anzutreten, der keine unmittelbare Neuauflage erfuhr.

Der Sechszylinder kam grundsätzlich mit faltbarem Stoffdach daher, konnte aber auch mit einem optionalen Hardtop aufwarten. Dessen, leicht nach innen abfallende, Form weckte schnell Assoziationen an die Dächer japanischer Tempel und der Spitzname Pagode war geboren.

Zum ersten Mal konnte Mercedes-Benz bei der Pagode nicht nur mit sportlicher Leistung und schicken Formen punkten. Die Pagode begründete als erster SL auch die Vorreiterschaft in puncto Sicherheit und brachte eine Knautschzone, leicht verformbare Karosserieteile, abgerundete Innenraumelemente sowie Sicherheitsgurte als Sonderausstattung mit. Ein optionales Automatikgetriebe war nun ebenfalls erstmalig in einem SL erhältlich. Zum Verkaufsstart war die Pagode nur als Mercedes 230 SL mit 150 PS erhältlich, der allerdings einen hohen Drehzahlbereich für seine Agilität beanspruchte. Daher wurde schon 1966 mit dem Mercedes 250 SL ein Modell mit mehr Hubraum bei gleicher PS-Zahl nachgeschoben. Nur ein Jahr später kam dann der 170 PS starke Mercedes 280 SL auf den Markt und behielt bis zum Produktionsende der Pagode Anfang 1971 die Leistungskrone.

Mit knapp 49.000 produzierten Exemplaren waren die Mercedes Pagoden Modelle der Baureihe W113 ein Verkaufsschlager ihrer Zeit. Das Spitzenmodell Mercedes 280 SL stellte dabei den Löwenanteil. Heute sind noch ungefähr 4.000 Pagoden in Deutschland zugelassen. In gutem Zustand werden diese Wagen unter Oldtimerfans jenseits von 75.000 Euro gehandelt und zählen zum illustren Kreis begehrter Automobil-Klassiker. Diesen Umstand hat die Pagode vor allem ihrem klaren Design und der schlichten Linienführung des Karosseriekleides zu verdanken. Im unverkennbaren Mercedes SL-Gesicht prangt der große Mercedesstern und betont den zeitlosen Auftritt des Wagens, der auch vier Jahrzehnte später in seiner Optik keine Spur gealtert zu sein scheint.

Gerade in den letzten Jahren hat sich die Beliebtheit des Pagoden-SL noch einmal verstärkt und dem schönen Oldtimer erhebliche Wertsteigerungen beschert, die ihn auch zum interessanten Investitionsobjekt machen. Selbst Wagen in schlechtem Zustand werden mittlerweile vermehrt nachgefragt, da auch hier, nach entsprechender Restauration, lukrative Weiterverkaufsmöglichkeiten winken.

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