Miuccia Prada – teuflisch gutes Design
Der berufliche Werdegang der am 10.Mai 1949 geborenen Mailänderin mutet ebenso kreativ an, wie ihre Modeschöpfungen. Nicht die Mode reizte die aus der Prada-Dynastie stammende Miuccia, sondern die Politik. So absolvierte sie zuerst ein Studium der Politikwissenschaft, dem die nun promovierte Politikwissenschaftlerin eine fünfjährige Schauspielausbildung am Piccolo Teatro in Mailand folgen ließ. Als Großvater Mario Prada 1978 jedoch die Geschicke seines etwas angestaubten, auf luxuriöses Reisgepäck spezialisierten Unternehmens in Familienhände abgeben wollte, musste Miuccia einspringen.
Hilfe in der Unternehmensführung erhielt sie von Patrizio Bertelli, der nach anfänglichen Zwistigkeiten und Missverständnissen nicht nur ihr Geschäfts-, sondern zugleich ihr Lebenspartner wurde. Die Arbeit der kreativen Designerin Miuccia und des geschäftstüchtigen Managers Patrizio verlief äußerst erfolgreich. Gemeinsam gelang es ihnen, den Staub vom Familienunternehmen zu pusten, das Sortiment zu erweitern und massiv zu expandieren. Ende der 90er-Jahre übernahm Prada das Label von Jil Sander, die Hälfte von Helmut Lang, sowie Anteile von Fendi – all diese Marken und Beteiligungen wurden jedoch mittlerweile wieder abgestoßen – im Falle von Fendi mit großen finanziellen Verlusten. Prada konzentriert sich wieder auf das Kerngeschäft, welches die hauseigene Prada-Linie, die 1992 ins Leben gerufene Zweitlinie „Miu Miu“ – so der Spitzname von Miuccia – und die Sportlinie „Luna Rossa“ umfasst.
Eine Frau – ein Stil
Miuccias Stil ist unverwechselbar und visionär, ihre Ansprüche hoch: Von Hand verarbeitet werden nur edelste Materialien. 1993 ausgezeichnet mit dem „Council of Fashion Designers of America“ und 2007 mit einer Kollektion, welcher die ultimative Mode-Journalistin Suzy Menkes attestierte, der Konkurrenz um „Lichtjahre voraus zu sein“, ist Miuccia Prada zur italienischen Mode-Ikone avanciert. Der Schnitt eines Prada-Stückes ist clean und puristisch, auffällig und einprägsam sind dagegen die verwendeten Muster, Stoffe und Zierwerke.
Der Weg in den Mode-Olymp war steinig und dauerte gut 10 Jahre. Sicherte sich Miuccia mit ihren schlichten Kollektionen anfangs nur Achtungserfolge, verhalf ihr erst Mitte der 90er-Jahre ihr „bad taste“-Look zum endgültigen Durchbruch. Polyester und Stoffe, die von Farbgebung und Muster an Kittelschürzen aus den 50er-Jahren erinnerten, waren so gewöhnungsbedürftig, dass zum oft kopierten Trend wurde. Miuccia Prada selbst konstatierte damals in einem Interview, „hässliche Kleider aus hässlichen Stoffen“ zu fertigen, die hinterher trotz allem gut aussehen würden. Mädchenhafter und romantischer gestalteten sich die nachfolgenden Prada-Kollektionen mit floral bestickten Stoffen und feengleicher Transparenz. Im Jahr 2004 machte Prada mit großflächigen Landschaftsaufnahmen bedruckte Faltenröcke salonfähig, wenig später veredelte die Designerin Ausschnitte und Rocksäume mit Svarowski-Kristallen und Goldbrokat oder stellte 2007 pelzige Fellimitat-Jacken in den Mittelpunkt.
In ihrer für den schmaleren Geldbeutel konzipierten Linie „Miu Miu“ spielt Miuccia Prada mit raffinierten Variationen des unkonventionellen Hippie-Stils, der ihr selber am Herzen liegt. Die Kollektionen von „Luna Rossa“ machen Sportswear tragbar und erheben die sportiven Stücke vom Trainingsplatz ins Luxus-Segment.
Erfolg auf der ganzen Linie
Miuccia Prada schaffte es, den schwächelnden Familienkonzern wiederzubeleben und zu einem der führenden Modekonzerne werden zu lassen - ihre Kreationen sind mittlerweile auf den roten Teppichen dieser Welt zu Hause. Der eingangs erwähnte Roman von Weisberger wurde 2006 übrigens verfilmt – mit niemand geringerem als Meryl Streep in der Hauptrolle. Streep stellte im Film ihr komödiantisches Talent unter Beweis und wurde für den Oscar nominiert – während der Preisverleihung trug sie natürlich Prada. Anna Wintour indes zeigte sich bei der Filmpremiere gar nicht diabolisch, sondern ließ ihren Humor aufblitzen. Nicht nur, dass sie überhaupt zur Premiere erschien, sondern das auch noch in einem Outfit von Prada. Miuccia Prada dürfte es gefreut haben.
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