Oldtimer als Wertanlage

Der Begriff Oldtimer ist in Deutschland durch die am 1. März 2007 in Kraft getretene Fahrzeugzulassungs-Verordnung neu definiert worden. Vor diesem Zeitpunkt gab es das rote 07-Wechselkennzeichen bereits für Automobile, Busse oder Lastkraftwagen, die älter als 20 Jahre waren. Nunmehr sind Oldtimer Fahrzeuge, die seit mindestens 30 Jahren im Verkehr sind, einen weitestgehend akzeptablen Erhaltungszustand vorweisen können, der Bereicherung des Kulturgutes in kraftfahrzeugtechnischer Hinsicht dienlich sind und insgesamt nur marginal vom Originalzustand abweichen.
Ford T Modell Oldtimer, Foto: Jon Sullivan

Die Definitionen des Begriffs "Oldtimer" unterscheiden sich auch international. In den USA beispielsweise definierte der "Antique Automobile Club of America" Oldtimer als Fahrzeuge mit einem Alter jenseits von 25 Jahren. Interessanterweise wird der Begriff "Oldtimer" im englischen Sprachraum überhaupt nicht auf Fahrzeuge angewendet, man spricht statt dessen von "antique cars". Davon abzugrenzen sind wiederum die verschiedenen Klassifizierungen (mehr dazu weiter unten), so ist z.B. der "Vintage Car", welcher sich insbesondere in Großbritannien großer Beliebtheit erfreut, ein Fahrzeug, das zwischen dem Ende des 1. Weltkriegs 1919 und der einsetzenden Weltwirtschaftskrise 1930 gebaut wurde.

In Deutschland sind Oldtimer, die vor dem 1. Juli 1969 zugelassen wurden, von der Abgasuntersuchung frei gestellt und auch die Umweltzonenregelung gilt für diese Fahrzeuge nicht. Besitzer von Oldtimern kommen zudem nicht nur in den Genuss von günstigeren Versicherungsbeiträgen, sondern freuen sich zudem über steuerliche Vergünstigungen. Am Kfz-Kennzeichen ist dies durch ein "H" für historisches Fahrzeug am Ende der Zahlen- und Buchstabenkombination zu erkennen.

Für Oldtimer wird, trotz Definitionsunterschieden, ein international anerkanntes Kategorisierungssystem verwendet, das die Fahrzeuge in sieben unterschiedliche Klassen abhängig vom Herstellungszeitraum einteilt: In die Klasse A ("Ancestor") fallen alle Fahrzeuge, die in der Zeit zwischen der Entstehung der ersten Automobilfabriken um 1891 und dem 31. Dezember 1904 gebaut wurden. Zur Klasse B ("Veteran") gehören alle Fahrzeuge, deren Baujahr zwischen dem 1. Januar 1919 und dem 31. Dezember 1930 liegt. Die Klasse C ("Vintage") umfasst alle Fahrzeuge mit einem Baujahr zwischen dem 1. Januar 1919 und dem 31. Dezember 1930. In die Klasse D ("Post Vintage") fallen Fahrzeuge, die zwischen dem 1. Januar 1931 und dem 31. Dezember 1945 konstruiert wurden. In der Klasse E ("Post War") befinden sich solche Fahrzeuge mit einem Baujahr zwischen dem 1. Januar 1946 und dem 31. Dezember 1960. In die Klasse F gehören Fahrzeuge, die zwischen dem 1. Januar 1961 und dem 31. Dezember 1970 gebaut wurden. Zur Klasse G schließlich gehören alle Fahrzeuge, die nach dem 1. Januar 1971 vom Produktionsband liefen und das Oldtimer Alter erreichen.

Der Erhalt der Fahrzeuge innerhalb dieser Klassen wird anhand eines Schulnotensystems zum Ausdruck gebracht. Oldtimer haben sich als solide Geldanlage bewährt und trotzen mit ihrem beständig steigenden Wert auch der momentanen Wirtschaftskrise. Bei den beliebten Modellen konnten in den letzten Jahren jährliche Preissteigerungsraten von im Schnitt zehn Prozent beobachtet werden, Spitzenmodelle konnten ihren Wert sogar um teilweise über 30 Prozent steigern.

Anschaulich wird dies am Beispiel des populären Flügeltürers Mercedes 300 SL. Konnte man dieses Fahrzeug aus den 50er Jahren noch vor 10 Jahren für einen Preis von unter 200.000 Euro erwerben, muss man dafür heute bereits über 360.000 Euro auf den Tisch legen. Dieser anhaltende und verlässliche Wertzuwachs ist es auch, der Oldtimer von den sonstigen Wertanlagen abhebt. Als Folge der Finanzkrise mussten die Werte so gut wie aller herkömmlichen Luxusgüter teilweise erheblich nachgeben, während beinahe jeder Autoklassiker im Wert stieg oder zumindest seinen Wert behaupten konnte. Auch im Hinblick auf die enorm wachsende Staatsverschuldung gewinnt das Thema Oldtimer als Wertanlage neue Bedeutung. Von vielen Bankern und Finanzexperten wird das Risiko einer steigenden Inflationsrate als sehr hoch eingestuft.

Schaut man sich vor diesem Hintergrund einmal an, wie positiv sich die Oldtimerpreise im Verlauf der letzten stärkeren Inflationsphase in den 70er Jahren entwickelten, dann kann man nur jedem Autoliebhaber und wirtschaftlich vernünftig denkenden Menschen zur Anschaffung eines Oldtimers raten.

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