Das Savoy Hotel in London

Das Londoner Savoy Hotel mit exklusivem Blick auf die Themse wurde von Richard D‘Oyly Carte, dem Inhaber des nebenan gelegenen Savoy Theatres, im Jahr 1889 erbaut. Der Prunkbau mit 263 Zimmern nach den Entwürfen von Thomas Edward Collcutt bot einen bis dato ungekannten Luxus und hochklassigen Service, der ihn schnell zur bevorzugten Adresse der High Society und Prominenz aufsteigen ließ. Als erstes Hotel in England mit elektrischem Licht statt Gasbeleuchtung und mit Fahrstühlen ausgestattet, war es seinen Konkurrenten um Längen voraus, auch die aus Amerika importierten En-suite-Badezimmer hatte die britische Oberschicht noch nicht gesehen.
Das Savoy Hotel in London

Neben höchstem Komfort bot das Hotel auch als Vorreiter erlesene musikalische Unterhaltung- der erste Manager César Ritz, führte die damals in England noch unbekannte Tischmusik im Speisesaal ein. Im legendären River Restaurant und in der American Bar spielten in den folgenden Jahrzehnten die Großen ihrer Zeit, unter anderem zog es Frank Sinatra immer wieder an den weißen Flügel, und die „Stompings at the Savoy“, die aus dem Ballsaal per BBC übertragen wurden, gingen in die Jazz-Geschichte ein.

Der Kulturliebhaber D’Oyly Carte hatte das Savoy Theatre eigens für die Stücke seiner Freunde Gilbert und Sullivan errichten lassen und pflegte stets enge Kontakte zu Bühnenstars und Kulturschaffenden. So gingen im Savoy bald Operndiven ebenso wie Hollywoodstars ein und aus, Fred Astaire, Humphrey Bogart, Liz Taylor, Marilyn Monroe und Audrey Hepburn stiegen in London oft und gerne unter der ersten Adresse der Stadt ab. Auch Künstler und Literaten wie Oscar Wilde und Claude Monet zog es in die komfortablen Suiten, und in späteren Dekaden nächtigten hier Pop-Giganten wie die Beatles und Bob Dylan. Sie alle schätzten nicht nur das luxuriöse Ambiente des Hotels, sondern auch die untadelige Diskretion, für die das Hotelpersonal bis heute gerühmt wird.

Auch die Mitglieder des britischen Königshauses begannen in den vornehmen Hallen, ihre vormals gepflegte Abschottung allmählich aufzugeben: der spätere König Eduard VII mischte sich als Kronprinz unter das Volk, Georg VI zeigte sich 1937 hier als erstes gekröntes Haupt öffentlich, und Queen Elisabeth II absolvierte sowohl ihren ersten Auftritt mit Prinz Philipp als auch ihren Krönungsball 1953 im Savoy. Während des zweiten Weltkriegs wurde das Hotel zur politischen Drehscheibe, hier tagten und speisten Harry S. Truman und Charles de Gaulle inmitten der zahllosen Kriegsberichterstatter. Kulinarisch setzten zu allen Zeiten berühmte Spitzenköche neue Maßstäbe, so erfand der französische Küchenchef Auguste Escoffier zum Beispiel den noch heute bekannten Pfirsich Melba zu Ehren der im Savoy abgestiegenen Sängerin Nellie Melba.

Nach knapp 120 Jahren hatte das Traditionshotel eine umfassende Renovierung nötig und wurde vorübergehend geschlossen, um 2009 in neuer Glorie zu erstrahlen. Von manch einem legendären Einrichtungsstück trennten sich die Inhaber, aber die meisten wesentlichen Teile des Inventars blieben erhalten. So steht noch immer Kaspar, eine schwarze Katzenfigur von Basil Inonides aus dem Jahr 1927 bereit, um bei einem Festmahl für 13 Gäste einen Platz am Tisch einzunehmen und den bösen Zauber der 13 unschädlich zu machen. Pierre-Yves Rochon, der sich bereits bei der Modernisierung des Hotels George V in Paris und des L’Hotel Hermitage in Monaco verdient gemacht hatte, achtete bis ins letzte Detail auf die Wahrung des geschätzten altehrwürdigen Stils. Wer heute das Savoy Hotel besucht, kann sich in der originalgetreu wieder errichteten American Bar oder dem River Restaurant in glanzvolle alte Zeiten zurückversetzen lassen und den unvergleichlichen Service genießen.

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