Wer oder was ist ein Schnösel?

Das Wort „Schnösel“ findet man im Wortschatz des 19.Jahrhundert wieder. Ursprünglich kam das Wort aus dem norddeutschen Wortbereich „Schnodder, schnäuzen“ und hatte im weiteren Sinne also etwas mit der Nase zu tun. Das Wort wurde wahrscheinlich sinnbildlich für eine „Rotznase“ verwendet. Im Laufe der Zeit wurde aus der gesundheitlichen Rotznase langsam ein umgangssprachlich abwertendes Wort. Man verwendete das Wort erst für Kinder, die mit dauernd laufender Nase herumliefen und damit Abwehr und Ekel von anderen Menschen hervorriefen. Später übertrug man das Wort „Rotznase“ auf Kinder, die sich Besserwisserisch in die Gespräche von Erwachsenen einmischten. Da aber nicht nur Kinder diese Eigenschaft haben und auch Erwachsene das mit Hingabe betreiben können, kam langsam der Ausdruck „Schnösel“ in die Welt der Erwachsenen.
<a href="http://de.fotolia.com/id/2607849" title="" alt="">Jose Manuel Gelpi</a>

Schnösel ist ein Synonym für das Wort „Rotznase“ und bedeutet im Grunde nichts anderes, als eine jugendliche Rotznase. Damit drückte man seine Abneigung gegenüber jungen Menschen aus, die sich entgegen der allgemeinen Norm benahmen. Das traf besonders dann zu, wenn es sich um junge Männer handelte, die sich sehr arrogant benahmen und dadurch der Umwelt mitteilen wollten, dass sie sich für etwas ganz Besonderes hielten.

Meist waren sie aber nicht nur eingebildet, sondern auch eitel wie die Pfauen, was Ihnen auch ganz schnell den Beinamen „Geck“ einbrachte. Der allgemeine Schnösel war meistens „Kind aus gutem Hause“ der sich fast alles leisten konnte. Das führte bei den jungen Menschen zu einer Übersättigung ihrer Ansprüche an das Leben und sie konnten an keiner Unternehmung Freude oder Gefallen finden und sie reagierten gleichgültig und übersättigt. Sie erweckten oftmals den Eindruck, alles um sie herum war viel zu gewöhnlich, als das es sich lohnt, sich dafür zu interessieren. Sie waren zudem oft noch vorlaut und dünkelhaft und bildeten sich auch oft einen Intellekt ein, der manchmal auf Grund der Jugend noch gar nicht vorhanden war.

Durch ihre finanzielle Sicherheit konnten sie sich auch elegant oder vornehm kleiden, was ihnen noch den Zusatz „Gelackter Schnösel“ oder „Eitler Geck“ einbrachte. Diese Menschen waren oft auch nur Zielscheibe der bürgerlichen Verachtung, weil man wusste, dass sie aus besseren Verhältnissen stammten, da konnten sie nichts anderes als vornehme Schnösel sein, also unerfahren, unbescheiden, dünkelhaft, eingebildet und arrogant. Meist herrschte unter Gleichaltrigen auch eine gezielte Abwehr gegen diese Menschen, weil sie als unbelehrbar galten, mit denen man sich eben nicht abgab. Oftmals waren sie auch unbeherrscht oder sogar herrschsüchtig, weil sie der Meinung waren, alles habe sich nur um sie zu drehen.

Diese Charaktereigenschaften nutzten auch Literaten und Filmproduzenten. Sie ließen die Schnösel in Romanen und Filmen, aber auch in Komödien, Operetten und derben Schwänken gern im Mittelpunkt agieren, als weltfremd und total von sich eingenommen. Das Angebot geht zum Beispiel von Moliére und Ringelnatz bis hin zum derben Bauernschwank. Auch heute soll es noch Vertreter dieser Gattung geben, die noch nach dieser Lebensauffassung leben.

disabledblock

 

disabledblock