Werner Baldessarini Biografie

Die Vita des Werner Baldessarini ist eine Biografie der Leidenschaft – die Mode, insbesondere die Herrenmode, ist seine Passion und das große Thema seines Lebens. Sie umgibt ihn schon in Kindertagen und wird zum Motor seines Berufslebens, welches später mit der Leitung der Hugo Boss AG und einem Label unter seinem Namen gekrönt wird. Werner Baldessarini lebt Mode, er macht sie und wird so zu einer der Ikonen in Deutschlands Modewelt.

Es ist die dunkle Zeit des Zweiten Weltkriegs, als Werner Baldessarini am 23. Januar 1945 in Kufstein geboren wird. Seine Mutter ist Deutsche, der Vater Italiener und der gemeinsam betriebene Textilgroßhandel bringt das Kind zum ersten Mal auf Tuchfühlung mit dem Kosmos aus Farben, Stoffen und Schnitten. In den Nachkriegsjahren hat die Mode naturgemäß nur untergeordnete Bedeutung inne, denn persönliche Neuanfänge und gesellschaftlicher Wiederaufbau dominieren das Leben. Das Praktische steht im Vordergrund und für Schönes oder gar Luxus ist die Zeit noch fern. Dennoch prägen diese Jahre den jungen Baldessarini mit zentralen Eigenschaften, welche später, neben der Kreativität, zu einem Schlüssel seiner Erfolgsgeschichte werden sollen: Stillstand bedeutet für ihn Rückschritt, Engagement und Einsatz werden für ihn zum gelebten Credo und mit viel harter Arbeit beschreitet er seinen Weg in die vordersten Plätze der deutschen Modeszene.

Mit einer Ausbildung zum Textilkaufmann beim Münchener Herrenausstatter Wagenheimer wird Baldessarini dann beruflich flügge. Von dort führt ihn sein Weg über verschiedene Einzelhändler 1975 zum mittelständischen Anzugmacher Hugo Boss in Metzingen, wo dann eine beispiellose Erfolgsgeschichte geschrieben werden sollte. Als Kreativchef beeinflusst er die Linie der Firma maßgeblich und leitet den weltweiten Erfolg der Marke Hugo Boss ein. Unter Baldessarinis Händen wird der Männermode die Langeweile genommen und ihrem Träger eine textile Ausdrucksform für Persönlichkeit und Individualität gegeben. Ab 1993 fungiert er als Namensgeber und Designer für das neue Luxus-Label des Boss-Konzerns. Die Philosophie des Baldessarini-Labels erhebt den Anspruch, beste Materialien in virtuoser Verarbeitung zu zeitlos eleganter Kleidung mit dezentem Luxus zu formen. Es ist eine Philosophie, die ankommt und Baldessarini als Designer auch namentlich in den Fokus rückt. Sein maßgeblicher Anteil am Erfolg der gesamten Firma führt ihn 1998 dann in die Position des Vorstandsvorsitzenden der Hugo Boss AG.

In dieser Funktion lenkt er bis 2002 die Geschicke des Konzerns, bevor er in den Aufsichtsrat wechselt. Daraus gerät allerdings kein Abschied auf Raten, sondern die Vorbereitung eines weiteren Schrittes: Baldessarini wird 2004 zur eigenständigen Marke und unterstreicht die neue Unabhängigkeit zusätzlich mit einem Umzug der Firma von Metzingen nach München. Denker und Lenker ist wiederum Werner Baldessarini, der die ohnehin erfolgreiche Linie weiterentwickelt und vor allem mit eigenen Duftkreationen noch größere Popularität erreicht. Ende 2007 zieht er sich dann ins Privatleben zurück, nachdem er die Firma in die Hände der Ahlers AG, eine der führenden Herrenbekleidungsfirmen in Europa, übergeben hat. Aber auch als Privatier will der agile Baldessarini die Kinder seiner Kreativität nicht ganz aus den Augen verlieren und Mode sowie Düfte mit manchem Rat und gelegentlicher Tat weiter begleiten.

So bleibt Werner Baldessarini der Modewelt auch persönlich noch erhalten, wo sein Werk längst zu ihrem festen Bestandteil geworden ist. Wenn er „lieber ein schönes T-Shirt als eine mittelmäßige Krawatte“ postuliert, versinnbildlicht er damit sein besonderes Verständnis von Männermode mit Eleganz und Individualität. Der Slogan „Separates the men from the boys“ ist seine treffende Botschaft – sie drückt den Schritt aus, den er die deutsche Herrenmode hat machen lassen. Mit Werner Baldessarini ist sie erwachsener, eigenständiger und reifer geworden.

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