Willy Bogner - von der Piste ins Familienunternehmen
1960 widmete sich der damalige BWL- und Textiltechnik-Student Bogner erfolgreich dem Skirennen und nahm unter anderem an den Olympischen Winterspielen 1960 und 1964 teil. 1967 verabschiedete sich Bogner aus dem internationalen Skizirkus und versuchte sich nicht minder erfolgreich als Filmemacher. Mit seinem Dokumentarfilm „Ski Fascination“ etablierte er sich als „der“ Kameramann für actionreiche Pistenszenen. Fortan war er mit James Bond (Roger Moore) unter anderem „In tödlicher Mission“ (1981) und „Im Angesicht des Todes“ (1985) unterwegs – als Kameramann. Ebenso produzierte er mit „Feuer und Eis“ (1986), sowie „Feuer, Eis & Dynamit“ (1990) eigene Filme, die vor allem durch die von ihm ins Bild gesetzte, waghalsige Skiaction von sich Reden machten.Bogner und Bogner - Wie der Vater, so der Sohn1977 trat Bogner junior in die Fußstapfen des verstorbenen Vaters und übernahm die Leitung des Familienunternehmens. Hier dreht sich alles - wie sollte es anders sein – um Skier und die dazugehörige Kleidung. Auch der Vater, Wilhelm Bogner senior, war in den 30er-Jahren ein äußerst erfolgreicher Skifahrer. Und so waren er und seine Frau Maria geradezu dazu prädestiniert, funktionelle und gleichzeitig schicke Skimode zu entwerfen. Der Willy-Bogner-Skivertrieb wurde 1932 ins Leben gerufen und als größter Coup gilt wohl die Ausrüstung der deutschen Wintersportler, die ihre Medaillen bei den olympischen Spielen seit damals im Bogner-Dress einsammeln. Willy und Maria Bogner gingen nicht nur mit ihren dem Bein schmeichelnden Keilhosen in die Modeannalen ein, sondern auch mit dem ersten gesteppten Daunenanorak. Markenzeichen der Bogner-Mode war das an den Reißverschlüssen befestigte „B“. „The Bogners“ revolutionierten die Sportmode und Maria – eine Frau, die nie das Schneidern gelernt hatte – wurde respekt- und liebevoll zugleich als „Coco Chanel der Sportmode“ bezeichnet.
So, wie sich Vater Bogner damals auf das Design-Geschick seiner Frau Maria verlassen konnte, fand Sohn Willy mit seiner zweiten Frau Sônia (geb. Ribeiro) die ideale Partnerin. Die Bogners arbeiten nicht nur fruchtbar zusammen – sie ist der kreative Part, er regelt die geschäftlichen Dinge - sondern legen in der schnelllebigen Modeszene eine sympathische Bodenständigkeit an den Tag. Verheiratet seit 1972 sind die beiden überall in der (Mode)Welt zu Hause – außer in den Klatschspalten der einschlägigen Zeitschriften.
Mode - sportlich, tragbar und ein bisschen edel
Es gibt Modekreationen die auf dem Laufsteg beeindrucken – im Alltag jedoch leider der Kategorie „untragbar“ angehören. Anders bei Willy und Sônia Bogner. Im Münchener Stammhaus des Unternehmens setzten sie auf frische, tragbare und trendige Sportmode. Sie bewiesen, dass es beim Sport auch etwas anderes sein darf, als der ballonseidene Einheitsjogginganzug. Zudem gelang Ihnen das Kunststück, Sportmode auch in der Upperclass salonfähig zu machen. Beim Eintritt ins Familienimperium konzentrierte sich das Paar vor allem auf die bereits bestehenden Sportlinien und kleideten wie gehabt das deutsche Olympia-Wintersport-Team ein.
Schon bald bezogen sie jedoch den modischen Aspekt noch stärker mit ein, schließlich gibt es auch ein Leben abseits des Sports. 1980 führt Sônia Regie – und zwar bei der ersten Damenkollektion. Nur wenig später wurde die Produktpalette um eine Leder-Kollektion, Sonnenbrillen und Kosmetika ergänzt. 1992 folgte zudem mit „Sônia Bogner“ eine klassisch, zurückhaltende Modelinie, die Erinnerungen an Jil Sander oder Armani weckt. Stilvoll aber wesentlich entspannter geht es bei Sônias „Bogner Wellness“-Linie zu. Diese punktet durch kalifornisch inspirierten Stil, der sich durch raffinierte Lässigkeit auszeichnet, ohne jedoch nachlässig zu wirken.
Punkten möchte derweil auch Willy Bogner – und zwar mit den Olympischen Winterspielen 2018, die er als Chef der Bewerbungsgesellschaft gerne nach München holen möchte. Ob er auch hier einen Punktsieg landen kann, wird sich im Juli 2011 zeigen, denn dann wird das IOC seine Entscheidung verkünden.
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